Pflegende machen sich auf den Weg: Am 29. Mai fand der zweite Fachpflegetag statt

Mit eindrucksvollen Bildimpressionen von Anna Rosa Bonato aus der Bonner Südstadt wurden die rund 80 Teilnehmenden des zweiten Fachpflegetages „Pflege gestaltet Lebenswelten“ am 29. Mai im Saal der Schwesternschaft begrüßt. Oberin Dr. Frauke Hartung erinnerte in ihrer Ansprache an die erste Veranstaltung im vorigen Jahr, in der es zum Auftakt um das „Quartiersmanagement“ ging und an der sich die jetzige Veranstaltung vertiefend anschloss.

 

 

Brandneue Nachrichten

Ergänzend zum angekündigten Programm überraschte Oberin Dr. Hartung mit einer brandneuen Nachricht und der Vorstellung des Universitätsprofessors Dr. Wilfried Schnepp (Foto: li. neben Oberin Dr. Hartung) die Teilnehmenden der Veranstaltung. Wilfried Schnepp hat an der Universität Witten-Herdecke einen Lehrstuhl für familienorientierte und gemeindenahe Pflege. In der Fakultät für Gesundheit, Department für Pflegewissenschaft, konzipierte er den neuen Studiengang „Community Health Nursing“ (CHN). Die Bonner Schwesternschaft wird künftige CHN-Studierende der Universität für Praxiseinsätze aufnehmen. Hier gelangen Sie zu der Internetseite der Universität.    

Buurtzorg als Erfolgsmodell in Deutschland

Mit vielen Praxisbeispielen und einem lebendigen Vortrag erläuterte Udo Janning, Projektleiter von Buurtzorg Deutschland, die Ausgangssituation sowie die Entwicklung und die Rahmenbedingungen des ursprünglich aus den Niederlanden stammenden Modells in Deutschland. Er machte deutlich, dass ein Gelingen bei der Umstrukturierung – weg von der Verrichtungsorientierten Pflege hin zu mehr ganzheitlicher Versorgung mit hoher Eigenverantwortung der Pflegenden – vor allem von stetig geführten persönlichen Gesprächen, begleitenden Schulungen und Vernetzungen abhängen wird. 

In seinem Fazit stellte Janning heraus, dass sich die Anstrengungen lohnen: „Die Pflegenden haben wieder Freude an ihrem Beruf, sie handeln selbstbestimmter, die Arbeit ist unbürokratischer und auch die Rückmeldungen der Patienten zeigen, dass sie zufriedener sind und sich die Pflegequalität verbessert hat. Es ist zwar ein langer Weg, aber es lohnt sich, sich aufzumachen!“

Community Health Nursing – Die Gemeindeschwester 2.0.?

  • Was ist eigentlich Community Health?
  • Welche Merkmale weist Community Health Nursing (CHN) auf?
  • Was ist dafür notwendig?

  • Wie sehen die Perspektiven aus?

Diese und weitere Fragen beantwortete Tanja Segmüller, Professorin für Alterswissenschaften an der Hochschule für Gesundheit in Bochum mit ihrem Vortrag „Community Health Nursing – Ein pflegerisches Berufsprofil der Zukunft?“. 

Segmüller arbeitet seit vier Jahren in einem interprofessionellen Team des Departments für CHN der Hochschule Bochum und vertritt darin die Pflege als eigenständige Profession.

In ihrem Ausblick stellte sie dar, dass Community Health Nursing ein effektives Instrument ist mit dem die primäre Gesundheitsförderung verbessert werden kann und andere Berufsgruppen entlastet werden. Sie wies darauf hin, dass Veränderungen in den derzeitigen Organisations- und Versorgungsstrukturen erforderlich sind. Sie erinnerte daran, dass die Grundzüge des CHN keine ganz neue „Erfindung“ sondern vielen älteren Menschen noch als „Gemeindeschwester“ vor Augen ist. Die Community Health Nurse ist quasi eine Anpassung dieses Aufgabenfeldes an die heutige Zeit und den künftigen Erfordernissen. 

Vernetzung ist das A und O

Am Nachmittag verfolgten die Anwesenden aufmerksam die Podiumsdiskussion. Oberin Dr. Hartung moderierte diese und stellte den Teilnehmenden der Podiumsdiskussion eingangs die zentrale Frage
„Wie stellen wir uns die ambulante Versorgung der Zukunft vor?“

Aus unterschiedlichen Perspektiven gingen auf diese Frage ein:

  •  Dr. med. Dieter Krafft als niedergelassener Allgemeinmediziner in der Bonner Südstadt
  •  Gitte Sturm als Leiterin des Amtes für Wohnen und Soziales der Stadt Bonn
  •  Birgit Wonneberger-Wrede, Geschäftsbereichsleiterin für Bildung, Gesundheit und Soziales des Kreises Euskirchen
  •  Udo Janning von Buurtzorg Deutschland 
  •  Prof. Dr. Angelika Zegelin als Pflegewissenschaftlerin, die bereits im Vorjahr umfassend über die Gestaltung des „Quartiersmanagements“ berichtet hatte.

Nach den jeweiligen Statements entwickelte sich eine lebhafte Diskussionsrunde mit dem Publikum. Dabei wurde deutlich, dass man sich einfach mal auf den Weg machen sollte. Immer wieder wurde unterstrichen, dass die Herausforderungen der Zukunft für eine verbesserte gemeindenahe Versorgung nur gemeinsam gemeistert werden können. Dazu gehört unbedingt die Bereitschaft aller Akteure, persönliche Gespräche zu führen und vertrauensvoll miteinander zu kooperieren.

Oberin Dr. Hartung dankte zum Ende der Veranstaltung allen Beteiligten und den Gästen: „Es war ein irre spannender Tag!“ Sie unterstrich, dass der Studiengang Community Health Nurse zwar wichtig und sie froh darüber ist, dass die DRK-Schwesternschaft Bonn als Praxisfeld mit der Universität kooperiert. Genauso wichtig und entscheidend ist ihr aber auch die derzeitigen Pflegenden mitzunehmen und die Inhalte deshalb curricular in der Aus-, Fort- und Weiterbildung einfließen werden.

Einige Stimmen aus dem Publikum lauteten: „Ein super informativer Tag mit vielen innovativen Impulsen für meinen Arbeitsbereich!“

Die Veranstaltung hat mir aufgezeigt, wie es mit konstruktiven Vorschlägen und Ideen möglich ist, gemeinsam die pflegerische Zukunft neu zu gestalten!“

Dieser Tag hat mir Mut gemacht, etwas zu verändern und sich hierzu einfach mal auf den Weg zu machen!“

 

Hier gelangen Sie zur Präsentation von Udo Janning.

Und hier zur Internetseite Buurtzorg Deutschland.

Hier ist die Präsentation von Prof. Tanja Segmüller. 

Weitere Bilder von der Veranstaltung finden Sie hier.

 

Kontakt

Gabriele Wenz
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Akademische PR-Beraterin
Tel.: 0228/ 26 90 124
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gabriele.wenz(at)schwesternschaft-bonn.drk.de